← Zurück zum Ratgeber

Stress & Körper

Was Stress mit deinem Immunsystem macht — und was das mit Übergewicht zu tun hat

Kurzer, akuter Stress kann dein Immunsystem sogar kurzzeitig hochfahren — eine sinnvolle Reaktion, wenn dein Körper sich auf eine Verletzung oder Infektion vorbereiten "soll", falls die Gefahr real wäre. Das Problem ist chronischer Stress, also der Zustand, in dem sich die meisten meiner Kundinnen befinden, wenn sie zu mir kommen: Hält die Cortisol-Ausschüttung über Wochen oder Monate an, kippt der Effekt ins Gegenteil.

Dein Immunsystem reagiert dann zunehmend schwächer, weil dauerhaft hohe Cortisolwerte die Aktivität bestimmter Abwehrzellen bremsen — du wirst anfälliger für Infekte, Wunden heilen langsamer, und wiederkehrende Erkältungen oder Entzündungen häufen sich. Paradox dabei: Cortisol wirkt eigentlich entzündungshemmend, aber bei dauerhaft hohem Spiegel werden deine Zellen zunehmend unempfindlich dagegen — die entzündungshemmende Wirkung lässt nach, während gleichzeitig leise, chronische Entzündungen im Körper zunehmen.

Genau diese Kombination — hohes Cortisol plus leise Entzündung — spielt auch beim Thema Gewicht eine große Rolle, und zwar unabhängig davon, wie viel du isst. Cortisol fördert gezielt die Einlagerung von Fett am Bauch, weil dort besonders viele Cortisol-Rezeptoren sitzen; das ist der Grund, warum Stress oft genau dort zu sichtbaren Veränderungen führt, selbst wenn sich sonst am Körper wenig tut. Dazu kommt, dass Stress meist auch den Schlaf stört, und schlechter Schlaf wiederum die Hormone durcheinanderbringt, die Hunger und Sättigung steuern (Ghrelin steigt, Leptin sinkt) — du hast dadurch nicht nur mehr Appetit, sondern auch ein schwächeres Sättigungsgefühl. In Summe arbeitet unter chronischem Stress also mehrere Systeme gleichzeitig gegen dich: mehr Hunger, gezielte Bauchfett-Einlagerung, schlechterer Schlaf und ein geschwächtes Immunsystem — alles Symptome desselben überlasteten Nervensystems, nicht voneinander getrennte Probleme.

Was das für dich bedeutet

Das ist auch der Grund, warum reines Kalorienzählen bei stressbedingtem Übergewicht so oft ins Leere läuft: Solange dein Nervensystem im Dauerstress feststeckt, arbeitest du gegen ein System, das aktiv Fett speichert und deinen Appetit hochhält, egal wie diszipliniert du isst. Der wirksamere erste Schritt ist deshalb nicht noch weniger Essen, sondern weniger Cortisol-Dauerbelastung — also wieder bei der Regulation des Nervensystems anzusetzen, nicht nur bei der Ernährung. Auch häufige Erkältungen oder das Gefühl, "nie richtig gesund" zu sein, sind oft eher ein Cortisol-Thema als ein Zufall, und lohnen sich, im Zusammenhang mit dem eigenen Stresslevel zu betrachten statt isoliert.

Wenn du das Gefühl hast, gegen deinen eigenen Körper zu kämpfen, obwohl du eigentlich alles richtig machst, steckt oft genau dieser Mechanismus dahinter.

Mehr zu meinem Coaching